Humboldt-Universität zu Berlin, Rechenzentrum
1. Einordnung des Projektangebotes
Das vorliegende Projektangebot ist in engem Zusammenhang mit den Aufgabenstellungen der Nutzergruppe "Hochschulverwaltung im Deutschen Forschungsnetz" und seinen Teilprojektgruppen
zu sehen.
Der Anbieter ist seit 1994 Mitglied der Teilprojektgruppe 2.
Die im Bericht der Teilprojektgruppe 2
(DFN-Bericht
Nr. 80) dargelegten grundsätzlichen Aussagen und Systematiken bilden
das theoretische Fundament des Projekts, von dem ausgehend ein pragmatischer
Lösungsansatz für die Hochschulverwaltung aufgezeigt werden soll.
Das Projektangebot der Humboldt-Universität ergänzt die Projekte
Während das Projekt der Fernuniversität Hagen die Entwicklung und Erprobung eines Public Key-Service (auf PGP-Basis) zum Inhalt hat und Erkenntnisse über die Möglichkeiten der flächendeckenden Verwendung von Authentifizierungs- und Verschlüsselungsverfahren für sensitive Anwendungen erbringen soll, betrachtet das Projekt der Fachhochschule Wilhelmshaven das Verwaltungs- und Hochschulnetz im Sinne des Verbundes und untersucht, inwieweit auf der Grundlage überwiegend globaler Netzsicherungsmaßnahmen für die Verwaltung eine weitgehend uneingeschränkte Nutzung des Wissenschaftsnetzes ermöglicht werden kann.
Der Schwerpunkt des Projektangebotes der Humboldt-Universität zu Berlin liegt darin, für ein bereits im Aufbau befindliches Verwaltungsnetz mit definierten Schnittstellen "nach außen" eine Beispiellösung Firewall zu entwickeln und diese in Untersuchungen zur sicheren Netzstrukturierung und zur Verschlüsselung und Signatur einzubetten.
Insofern ergänzen sich die Ansätze der 3 Projektanträge.
Ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen den
Projektmitarbeitern sowie die wechselseitige Einbeziehung von
Projektteilergebnissen wird angestrebt.
2. Problemsituation
Der Aufbau des Universitätsrechnernetzes hat in den letzten 6 Jahren
rasante Fortschritte gemacht. Über 12 000 Mitarbeiter und Studierende
verfügen an der Humboldt-Universität derzeit über einen Netzzugang
und nutzen die universitätsinternen und die über das Internet
angebotenen Dienste und Leistungen.
Fast zeitgleich wurde auch damit begonnen, für die
Universitätsverwaltung PCs mit Netzanschlüssen zu installieren
und damit die Voraussetzung für die Einführung neuer DV-Verfahren
zu schaffen. Die Konzentration des überwiegenden Teiles der Zentralen
Universitätsverwaltung im Hauptgebäude der Universität bot
dabei günstige Bedingungen für die Verkabelung.
Das ursprüngliche Vernetzungskonzept für die Universitätsverwaltung enthält einige wichtige Grundprinzipien, die größtenteils heute noch gültig sind und die auch die Bildung eines "flächendeckenden" Verwaltungsnetzes möglich machen. Das sind z.B.

3. Projektziele
Ausgehend von der hier nur kurz umrissenen Problemsituation an der Universität besteht das Hauptanliegen des Projektangebotes darin, die mit der flächendeckenden Vernetzung der Verwaltung verbundenen Risiken - die deutlich über die Risiken der lokalen Vernetzung hinausgehen - zu analysieren, konkrete datenschutztechnische Anforderungen abzuleiten und Zusatzmaßnahmen zur Verbesserung der Netzsicherheit zu formulieren und umzusetzen.
Für die konkrete Vernetzungssituation an der Humboldt-Universität
ist die Entwicklung eines Firewall-Systems, in Verbindung mit weiteren
Sicherheitsmaßnahmen, das geeignete Mittel, um die Risiken deutlich
zu minimieren.
Da an anderen Hochschulen ähnlich gelagerte Sicherheitsprobleme bestehen,
sehen wir in der Bearbeitung gerade dieses Themas eine gewisse
Referenzfunktion.
Das Projekt gliedert sich in folgende Themenbereiche, wobei die Entwicklung
der Beispiellösung Firewall im Mittelpunkt stehen wird:
Die ersten beiden Themen dienen mehr der Projektvorbereitung und der
Erläuterung von Grundstandpunkten. Es wird ein Satz von Empfehlungen
entstehen, der aber - auf Grund der Entwicklungsdynamik - laufend zu
überarbeiten ist. Die nachfolgenden Themen konzentrieren sich auf zu
untersuchende Sicherheitsmaßnahmen bzw. die Entwicklung von
Beispiellösungen.
Der enge Zusammenhang zwischen den Themen 3 bis 6 soll im folgenden kurz verdeutlicht werden:
In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Themenbereiche näher
beschrieben.
3.1. Definition des Grundschutzkonzepts "Verwaltungsnetz"
Es wird von der These ausgegangen, daß in heterogenen Netzen, hier speziell der Verwaltung, nicht mehr von anwendungs- oder verfahrensbezogenen Sicherheitsmaßnahmen ausgegangen werden sollte, da die Systemgrenzen immer mehr verwischen und die Abtrennung von Systemen mit sensiblen Personendaten (dem Berliner Datenschutzgesetz unterliegende Daten) von Systemen mit weniger sensiblen Daten (dem Informationsverarbeitungsgesetz unterliegende Daten) nur schwer erreichbar ist.
Statt dessen wird ein niedriger bis mittlerer Grundschutz angenommen, der
allen in der Verwaltung der Universität typischen Anwendungen gerecht
werden kann.
Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Grundschutzkonzepts Verwaltungsnetz,
das einen Mindeststandard definiert, der bereits die Verarbeitung sensibler
personenbezogener Daten im Netz gestattet, der jedoch im Einzelfall bei der
Verarbeitung besonders sensibler Personendaten erweitert werden kann.
3.2. Risikoanalyse
Wie bereits im Punkt 2 angedeutet, entstehen durch die Verbindung einzelner
lokaler Netze, die Kopplung verschiedener Netzwerkbetriebssysteme und auch
durch die Öffnung des Verwaltungsnetzes zum Wissenschaftsnetz und damit
zum Internet weitergehende Sicherheitsrisiken mit möglicherweise globaleren
Auswirkungen. Deshalb muß eine erste Aufgabe in der Analyse der
erwarteten Risiken bestehen. Hier wird u.a. auf das methodische
Instrumentarium des Sicherheitshandbuchs des BSI zurückgegriffen.
Gegenstand der Schwachstellen- und Risikoanalyse ist weniger die einzelne DV-Anwendung, sondern das Verwaltungsnetz insgesamt.
Bezogen auf das Vernetzungskonzept (s. Abbildung 1) beginnt der sog. unsichere
Bereich hinter dem Firewall-System. Die Risikoanalyse wird sich auf die Angriffe
von außen, aber auch auf mögliche Manipulationen aus dem internen
Netz, beziehen.
3.3 Netzstrukturierung - Koppel- und Filterelemente unter Sicherheitsaspekten
Gegenstand der Untersuchung ist das Vernetzungskonzept der Verwaltung, mit dessen Umsetzung bereits begonnen wurde. Wichtige Komponenten des Vernetzungskonzepts sind
Ausgehend von der Beschreibung des Vernetzungskonzepts werden die
Sicherheitsrisiken herausgearbeitet und Vorschläge zur Verbesserung
des Vernetzungskonzepts unter Sicherheitsaspekten gemacht.
Geleistete Vorarbeiten zum Teilthema:
Das in Abbildung 1 skizzierte Vernetzungskonzept wurde für die Verwaltung
in großen Teilen umgesetzt. Gegenwärtig verfügen ca. 300
Mitarbeiter der Zentralen Universitätsverwaltung (ZUV) über einen
PC mit Netzanschluß.
3.4. Entwicklung einer Beispiellösung Firewall
Das Firewall-System soll dem Schutz des internen Netzes gegen Angriffe von
außen dienen. Dieser Schutz soll aus einer Kombination von Hard- und
Software erreicht werden. Das System wird so konfiguriert, daß es als
einziger Übergang zwischen dem sog. sicheren Netzbereich der
Zentralen Universitätsverwaltung (ZUV) und dem externen unsicheren
Netzbereich dient.
Neben den externen Gefahren werden die Manipulationen aus dem internen Netz
in die Untersuchungen einbezogen. Der Schutz der übertragenen Daten
gegen Angriffe auf deren Vertraulichkeit und Integrität sowie die
Gewährleistung einer hohen Verfügbarkeit der Netzwerkserver
(Denial-of-Service-Attacks) wird dabei ebenfalls Beachtung finden. Angriffe,
die auf IP-Spoofing beruhen, oder das Source-Routing bzw. ICMP mißbrauchen,
werden so erfolgreich abgewehrt.
Als Ansatz sehen wir die Schaffung eines Systems, bestehend aus
Bei der Konzipierung des Firewalls wurde auf Arbeiten des DFN-CERT (u.a.
DFN-Bericht Nr. 76)
zurückgegriffen.
Abb.2 (nicht öffentlich)
Ziel ist es, die hier nur kurz skizzierte und in Abbildung 2 beschriebene Beispiellösung Firewall innerhalb des Projektzeitraumes, unter Beachtung der Ergebnisse der Risikoanalyse und unter dem Aspekt der Performancesteigerung und der Verbesserung der Bedienungs- und Benutzerfreundlichkeit, weiterzuentwickeln.
geleistete Vorarbeiten zum Teilthema:
Das in Abb. 2 beschriebene Firewallkonzept wurde durch das Rechenzentrum entwickelt und befindet sich seit Juni 1996 im Testbetrieb. Die bisher durchgeführten Konsistenztests entsprachen unseren Erwartungen und bestätigten die Richtigkeit des gewählten Ansatzes.
Mit der jetzigen technischen Ausstattung sind jedoch Probleme bezüglich
der Performance zu erwarten.
3.5. Kommunikationswege unter Umgehung des Firewall-Systems
Ziel eines Firewall-Systems soll es sein, sämtliche Kommunikation zwischen dem sicheren und dem unsicheren Netz zu kanalisieren und somit alle "Hintertüren" zu schließen.
Solche Hintertüren können sein:
Gegenwärtig wird versucht, durch organisatorische und technische
Maßnahmen z.B. das Faxen oder die Einwahlmöglichkeit von und zu
einem vernetzten PC in der ZUV zu verhindern. Hierzu sollen systematische
Untersuchungen durchgeführt werden.
Gegenstand des Teilthemas ist deshalb
Der Beginn der Umsetzung ausgewählter Sicherheitsmaßnahmen soll
innerhalb des Projektzeitraumes erfolgen.
Geleistete Vorarbeiten zum Teilthema:
Die "Empfehlungen des Rechenzentrums zur elektronischen FAX-Nutzung in der
Verwaltung" bilden einen ersten Ansatz.
3.6. Verschlüsselung und Signatur
Mit zunehmender Vernetzung wird die sichere Übermittlung von Daten immer
bedeutsamer. Durch den Einsatz suffizienter Verschlüsselung soll die
Sicherheit, Integrität und Unfälschbarkeit der transportierten
Daten gewährleistet werden.
Ziel ist es, den Netzteilnehmern der ZUV abhörsichere WWW- und
Telnetverbindungen zu Hosts im unsicheren Netzbereich zu ermöglichen.
Damit ist auch die Möglichkeit gegeben, innerhalb der ZUV geschützte
Arbeitsgruppen zu definieren.
Darüber hinaus wird im vom Firewall-System geschützten Netzbereich
(DMZ) ein Mail-Gateway installiert, das eine automatische PGP-Signatur
zuläßt. Dazu sind die LAN-Messaging-Tools, wie z.B. Beyond Mail
von Banyan VINES, an dieses Verfahren anzupassen. Das Mail-Gateway soll auch
die Verwaltung der Public Keys übernehmen. Voraussetzung hierfür
ist die Schaffung einer Zertifizierungsinstanz, die neben der Zertifizierung
der PGP-Keys auch eine Zertifizierung der SSL-WWW-Server-Keys vornimmt.
Ziel des Projektteilthemas ist der Aufbau einer HU-internen Zertifizierungshierarchie, die in enger Abstimmung mit dem DFN-Projekt "Policy Certification Authority" (PCA) erfolgen soll.
Bei der Bearbeitung des Themas sollte auf die Ergebnisse des Projekts der
Fernuniversität Hagen zum Public Key-Service Bezug genommen werden.
Geleistete Vorarbeiten zum Teilthema:
Es wurde damit begonnen, die Unix-Hosts der ZUV und die durch das Rechenzentrum verwalteten Hosts mit SSH-Daemons auszustatten.
Zur Banyan VINES-Anbindung existiert noch kein eindeutiger Lö sungsansatz.
Während der Bearbeitung des Teilthemas sollten dazu weitere Prä
zisierungen vorgenommen werden.