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Humboldt-Universität zu Berlin - Computer- und Medienservice

Nachruf auf Herrn Holger Liebetrau

Völlig überraschend verstarb am 30. März 2021 unser Kollege Holger Liebetrau.

Wer ihn persönlich kannte – und das werden ohne Übertreibung viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HU sein – wird sich an einen resoluten, manchmal unorthodoxen, stets äußerst freundlichen, hilfsbereiten und vor Ideen sprudelnden Kollegen erinnern, der sich immer mit der HU und dem CMS besonders verbunden fühlte.

Holger Liebetrau war seit dem 27.3.1984 Mitarbeiter des (damaligen) Rechenzentrums der HU, anfangs in der Abteilung Technik. Hier war es vorrangig seine Aufgabe, die zentrale (und oft ziemlich fehleranfällige) ESER-Rechentechnik am Laufen zu halten. Schon damals konnten wir von seinen besonderen Stärken profitieren: mit Ruhe und Ausdauer die Fehler in den letzten Registerbereichen der CPU finden oder die verklemmten Lochkartenleser oder Endlosdrucker wieder reaktivieren. Wie in den 1980er Jahren als aber dann auch in späterer Zeit wurde deutlich, dass Holger Liebetrau hiermit bei weitem nicht ausgelastet war, dass wesentlich umfassendere Projekte auf ihn warteten. Hinzu kam seine besondere Fähigkeit, mittlere und größere Arbeitsgruppen anzuleiten und zu motivieren.

Gerade die Zeit der Wende nach 1989 ermöglichte es Holger Liebetrau, seine Ideen und Qualitäten voll auszuspielen. Man merkte es ihm direkt an, mit welchem Enthusiasmus und mit welcher Freude er die neuen Möglichkeiten nutzte. Seit 1990 war er Mitarbeiter der damals neu gegründeten Abteilung Konsultations- und Weiterbildungszentrum, später dann Hard- und Softwareservice. Hier war er anfangs für die Bereitstellung öffentlicher Computerarbeitsplätze verantwortlich, was damals – für heutige Verhältnisse noch ganz bescheiden – mit einem PC-Saal in der Clara-Zetkin-Str. 26 (heute Dorotheenstr. 26) begann (Eröffnung am 25.6.1991, RZ-Mitteilungen Nr. 4: Das Projekt „PC-Saal“). Dieser entwickelte sich schnell zu einem insbesondere studentischen Zentrum, wobei den qualitativ und quantitativ stets neuen Anforderungen kaum hinterher zu kommen war.

Nach einigen Erweiterungen (Anzahl der Arbeitsplätze, Raumvergrößerung, erweiterte Peripherie u.s.w.) ist vor allem die besonders von ihm forcierte Idee der Terminalserver-Technologie hervorzuheben, die es uns heute erlaubt, ohne wesentlich zusätzlichen Aufwand eine fast beliebige Anzahl von Endarbeitsplätzen zentral managen zu können. 

Sein Meisterstück lieferte Holger Liebetrau dann (wenn man überhaupt bei der Vielzahl der Projekte davon sprechen kann) bei der aktiven Planung und Realisierung der öffentlichen IT-gestützten Bereiche im Erwin-Schrödinger-Zenrum und im Grimm-Zentrum. Ohne die technologischen Vorarbeiten im „kleinen PC-Saal“ hätten diese Ausbaustufen nie erreicht werden können.

Man kann es fast als sein Vermächtnis bezeichnen, Standards zum Aufbau einer Umgebung bzw. Plattform für öffentlich zugängliche und/oder sonst irgendwie standardisierte Computerarbeitsplätze zu setzen. Er war derjenige, der diese Projekte wesentlich geprägt und vorangebracht hatte. Unermüdlich warb er in den Zentraleinrichtungen und Instituten um das Verständnis, die Bedeutung und die Vorteile dieser Technologie für die Humboldt-Universität. Heute arbeiten nicht nur täglich hunderte Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit diesem System, auch stellt es darüber hinaus die technische Basis in vielen anderen Bereichen der HU dar, wie in der Universitätsverwaltung, im aktuellen SAP-Projekt HUGe, in vielen Pools dezentraler Einrichtungen bis hin zum Gästehaus der HU. 

Gegenüber seinen Kolleginnen und Kollegen waren seine Geduld, das Verständnis für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (inkl. zeitweise bis zu 20 sHK), seine Beharrlichkeit und Warmherzigkeit seine herausragenden Eigenschaften. Insbesondere seine öCAP-Kollegen kennen niemanden, der beschlossene Ziele so geduldig, und wenn es sein musste, auch nachdrücklich verfolgt hatte. Seine Beharrlichkeit kam dabei immer mit Respekt, Anstand und Verhältnismäßigkeit einher. Und auch, wenn aus nachvollziehbaren Gründen ein Umschwenken oder Einlenken erforderlich war, hatte er die Größe, dies für sich anzunehmen und die Richtung zu korrigieren oder anzupassen.

Seine direkten Mitarbeiter haben immer wieder bestätigt, dass „sein öCAP-Team“ für Holger Liebetrau nicht nur Anweisungsempfänger war. Vielmehr hatte er den Mitarbeitern stets das Gefühl vermittelt, geschätzte Kollegen zu sein, deren Meinung er respektierte und berücksichtigte. Die Kollegen waren ihm wichtig und er hatte sie gebraucht. Auch für private Themen hatte er immer ein offenes Ohr, dabei mitgefühlt und sich ehrlich dafür interessiert. Die Kollegen haben nicht nur ihren Vorgesetzten, sondern einen Freund verloren.

Holger Liebetrau war ein „Macher“, der anpacken konnte, wenn es notwendig war. Musste eine Sache erledigt werden, fand er auch immer wieder pragmatische Ansätze und verstand es, alle Beteiligten mindestens zu motivieren oder zu überzeugen, wenn nicht gar zu begeistern. Neben seiner Fachkompetenz sorgte eben diese mitreißende Art für die Umsetzung vieler Projekte, die ohne ihn nicht zustande gekommen wären. Er war in vielen Diskussionen und Abstimmungen ein zentraler Ruhepol, immer zielorientiert und ohne Schuldzuweisungen bei auftretenden Problemen.

Er war auch der treibende Motor bei AfterWork-Treffen zum Grillen oder Tischtennisspielen. Hier konnte er als brillanter Organisator überzeugen und verstand es, alle Kollegen aus dem Team zusammen zu bringen, und schuf damit die Basis für ein Gefühl der Gemeinsamkeit und des Teamgeists.

Es ist besonders tragisch, dass ihn sein viel zu früher Tod so kurz vor seinem Eintritt ins Rentenalter ereilt hat. Er hatte noch so viel vor in diesem Leben.

Wir werden Holger Liebetrau stets in dankbarer und freundschaftlicher Erinnerung behalten. In der öCAP-Arbeitsgruppe, in der Abteilung, im CMS, ja ohne Übertreibung auch in vielen Bereichen in der HU klafft jetzt eine riesige Lücke, die nur schwer auszufüllen sein wird.

Unser Mitgefühl gehört besonders seiner Familie und seinen Angehörigen.

 

Silvio Uth, Sascha Demon, Willi Petrov, Công Pham, Lutz Stange