Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼
Startseite der Einrichtung
Abb.: Andreas Vollmer

Humboldt-Universität zu Berlin - E-Assessment

Klausurdesign: Antwort-Wahl-Verfahren

Das Antwort-Wahl-Verfahren ist an der HU Berlin als eigenständige Prüfungsform in der ZSP-HU gelistet. Im eigentlichen Sinne handelt es sich jedoch um eine Darstellungsform der Klausurfragen: als Multiple Choice mit einigen Zusatzoptionen wie Zuordnung, Umordnung und Texteingabe. Dieses Verfahren wird überwiegend in Closed-Book-Prüfungen verwendet, wäre aber auch in Open-Book-Prüfungen denkbar.

Antwort-Wahl-Verfahren mit dem Test-Modul (Moodle)

Prüfungsaufgaben mit Antwort-Wahl-Verfahren sind Aufgaben, bei denen eine oder mehrere Antworten aus einer Menge von Antwortalternativen ausgewählt werden müssen. Der bekannteste Typ ist multiple choice, wobei eine (single response) oder mehrere (multiple response) richtige Antworten angekreuzt oder angeklickt werden müssen.

Aber auch Zuordnungsaufgaben (z.B. Drag-and-Drop-Aufgaben) und Lückentextaufgaben mit Listenfeldern werden an der HU Berlin dem Antwort-Wahl-Verfahren zugeordnet, weil das Test-Modul von Moodle diese Varianten unterstützt.

Für die Bewertung von Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren muss ein fester Schlüssel (erreichter Prozentsatz – Note) verwendet werden (siehe §96c, (4), (5) ZSP-HU, 8. Änderung).

 

Welche Vorteile bietet das Antwort-Wahl-Verfahren?

Bei Aufgaben nach dem Antwort-Wahl-Verfahren ist – wenn sie computergestützt gestellt werden – eine automatische Korrektur möglich (d.h. kein personeller Aufwand). Das Verfahren ist deshalb sehr gut für große Kohorten geeignet. Die Bewertung ist personenunabhängig. Bei korrekter Erstellung der Aufgaben ist die Bewertung fehlerfrei, denn es entstehen beispielsweise keine Fehler beim Summieren der Punkte. Die Prüflinge können ihr Ergebnis (sofern die Prüfenden dies wünschen) sofort nach Abschluss der Prüfung einsehen.

Die Bewertung ist häufig transparenter als eine Bewertung von Aufgaben, die eine Antwort im Textformat erfordern, da die Antwort nicht interpretiert werden muss. Die Prüflinge müssen direkt auf die Frage antworten. Die Prüfenden erhalten keine Antworten, die sich nicht oder nur teilweise auf die Frage beziehen und müssen auch nicht bei jeder Antwort, die teilweise richtig ist, entscheiden, wie viele Punkte sie dafür vergeben.

Betrug (in Form von Abschreiben / Zusammenarbeiten) kann durch den Einsatz von Zufallsfragen eingedämmt werden. Dazu erstellen die Prüfenden mehrere unterschiedliche Fragen, die dieselbe Kompetenz mit demselben Schwierigkeitslevel prüfen (etwa Aufgaben mit derselben Aufgabenstellung, aber unterschiedlichen Zahlenbeispielen oder unterschiedlichen sprachlichen Beispielen). Von diesen Aufgaben wird für jeden Prüfling per Zufall eine Frage gezogen. So kann für nahezu jeden Prüfling eine eigene Prüfung erstellt werden.

Die Vielzahl an Aufgabentypen beim Antwort-Wahl-Verfahren (Multiple Choice, Zuordnungen, Lückentexte, Drag-and-Drop) ermöglicht es, sehr einfache (z.B. Definitionen) bis sehr komplexe Inhalte (z.B. Analyse- und Anwendungsaufgaben) zu prüfen.

 

Welche Nachteile können beim Antwort-Wahl-Verfahren gegenüber anderen Prüfungsformen entstehen?

Die Erstellung der Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren ist aufwändig. Die Aufgaben müssen so gestaltet sein, dass die Antworten nicht durch das Ausschlussverfahren erraten werden können. Falsche Antwort-Alternativen müssen klar falsch sein, aber dennoch plausibel erscheinen, wenn man nicht über das geforderte Wissen verfügt.

In der Regel sind Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren für die Prüflinge einfacher, da die richtige Antwort nur erkannt (und nicht selbst formuliert) werden muss. Fachvokabular kann beispielsweise nur als passiver Wortschatz geprüft werden.

Das Antwort-Wahl-Verfahren ist für das Prüfen bestimmter Kompetenzen nur bedingt geeignet (z.B. bildliche Darstellungen oder Berechnungen, siehe Frage „Wann bietet sich das Antwort-Wahl-Verfahren an?“). Auch das Erfassen von Teilkompetenzen ist herausfordernd.

Wer das Antwort-Wahl-Verfahren einsetzt, muss sicherstellen, dass die Prüflinge mit den Aufgabentypen vertraut sind. Den Studierenden sollte die Gelegenheit gegeben werden, eine Beispielklausur zu absolvieren.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Fragen im Antwort-Wahl-Verfahren laut ZSP-HU von zwei Prüfenden gestellt werden müssen (ZSP-HU §96c (2), 8. Änderung).

 

Wann bietet sich das Antwort-Wahl-Verfahren an?

Das Antwort-Wahl-Verfahren bietet sich vor allem an, wenn die Frage eine eindeutige Antwort hat (z.B. Was ist das finite Verb des Satzes X? Wie heißt die Hauptstadt von X? Welchen Wirkstoff enthält das Medikament X?). Das Verfahren kann auch angewandt werden, wenn die Antwort aus mehreren Teilen besteht (z.B. Klicken Sie alle Städte mit mehr als 1 Mio. Einwohnern an.).

Berechnungen können mittels des Antwort-Wahl-Verfahrens gut geprüft werden, wenn nur das Endergebnis bewertet wird. Wenn das Vorgehen bei der Berechnung eindeutig ist (es also nicht mehrere Rechenwege gibt), kann man Zwischenergebnisse aber natürlich ebenfalls prüfen.

Wenn die Antwort bildliche Darstellungen verlangt (z.B. linguistische Strukturbäume, geografische Karten), kann man gegebenenfalls mehrere Darstellungen anbieten und fragen, welche die richtige ist. Dabei ist die Bewertung von Teilkompetenzen aber wieder nur eingeschränkt möglich. Eine Option ist, die Hälfte der Punkte für eine „fast richtige“ Darstellung zu vergeben.

Übersetzungskompetenzen können nicht direkt geprüft werden. Es ist jedoch möglich, diese Kompetenzen durch Verständnisfragen zu prüfen, wenn tatsächlich nur das Verständnis zählt und nicht etwa die Formulierungskompetenz in der Zielsprache.

Das Antwort-Wahl-Verfahren wird häufig eingesetzt, um zu prüfen, ob Prüflinge die richtige Antwort erkennen können. Dabei wird nicht zwangsläufig geprüft, ob die Prüflinge das Wissen aktiv zur Verfügung haben. Wenn ein Prüfling beispielsweise bei der Frage Woran erkennt man ein Präpositionalobjekt? als Antwort ankreuzt Die Präposition wird vom Verb regiert., dann bedeutet das nicht notwendigerweise, dass der Prüfling ein Präpositionalobjekt in einem Satz auch erkennen würde. Es ist jedoch möglich, Fragen zu konstruieren, bei denen Prüflinge Analysewissen zeigen müssen. Im gerade geschilderten Fall könnte man beispielsweise eine Auswahl an Sätzen geben und fragen, welcher der Sätze ein Präpositionalobjekt enthält.

Das Antwort-Wahl-Verfahren bietet sich nicht an, wenn die Prüflinge einen Standpunkt einnehmen und vertreten sollen, etwas bewerten oder begründen sollen (etwa: Sollten Kinder mehrsprachig aufwachsen?). Außerdem ist das Antwort-Wahl-Verfahren nicht geeignet, um Formulierungskompetenzen zu testen.

Welche grundsätzlichen Hürden gibt es beim Antwort-Wahl-Verfahren?

Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren brauchen viel Vorbereitungszeit. Die Erstellung der Fragen ist relativ aufwändig. Außerdem müssen die Studierenden mit dem Verfahren vertraut gemacht werden. Den Prüflingen muss (bei computergestützten Verfahren) ein Rechner zur Verfügung stehen oder gestellt werden.

 

Muss man ein alternatives Prüfungsformat vorrätig haben?

Falls in der fachspezifischen Studien- oder Prüfungsordnung bestimmt wird, dass die Modulabschlussprüfung (Klausur im Antwort-Wahl-Verfahren) ausschließlich unter Einsatz elektronischer Informations- und Kommunikationstechnologien erbracht oder durchgeführt werden kann, und macht die Studentin oder der Student glaubhaft, dass die technischen Voraussetzungen bei ihr oder ihm nicht vorliegen, wird Nachteilsausgleich nach §109 gewährt (§107a (7) ZSP-HU, 8. Änderung). Dieser Ausgleich kann z.B. durch Bestimmung einer anderen Prüfungsform gewährt werden und wird vom zuständigen Prüfungsausschuss festgelegt.

Man könnte aber auch das elektronische Antwort-Wahl-Verfahren in ausgedruckter Form zur Verfügung stellen und in Präsenz prüfen.