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Humboldt-Universität zu Berlin - E-Assessment

Prüfungen an der HU

Seit März 2020 setzt die HU pandemiebedingt digitale Prüfungsformate ein. Erstmalig finden E-Prüfungen (E-Assessment) in Distanz statt, die auch über die Pandemie hinaus als Alternative zu herkömmlichen Präsenzprüfungen etabliert werden sollen.

Prüfungszahlen der letzten Semester im Überblick

Grundsätzlich gilt, dass in Sommersemestern weniger Prüfungen durchgeführt werden als in Wintersemestern.

  SoSe 2019 WiSe 2019/20 SoSe 2020 WiSe 2020/21
Gesamtzahl 41.485 48.580 36.712 56.275
nicht HU 29 107 139 203
JurFak 4.404 4.073 2.265 6.845
KSBF 11.370 13.785 10.605 17.135
LeWi 6.555 8.020 6.237 8.948
MatNat 4.527 5.987 4.287 6.103
PhilFak 918 1.326 765 1.473
PhilFak III 1.754 2.156 1.884 ----
SLF 6.241 6.572 6.241 6.539
TheoFak 248 274 287 257
WiWi 5.282 5.981 3.846 8.468
ZI 157 289 156 304

JurFak - Juristische Fakultät; KSBF - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät; LeWi - Lebenswissenschaftliche Fakultät; MatNat - Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät; PhilFak - Philosophische Fakultät; SLF - Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; TheoFak - Theologische Fakultät; WiWi - Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; ZI - Zentralinstitute

 

 

Die Entwicklung der Prüfungszahlen in den einzelnen Fakultäten lässt vermuten, dass die JurFak, die KSBF und die WiWi offensichtlich pandemiebedingt im Vergleich zum vorausgegangenen Sommersemester einen erheblichen „Prüfungsknick“ im SoSe 2020 zu verzeichnen hatten. Dass dies im Folgesemester (WiSe 2020/21) aufgeholt werden sollte bzw. musste, legen die dort im Vergleich zum Wintersemester 2019/20 deutlich gestiegenen Prüfungsfallzahlen nahe. In den eher sprach- und geisteswissenschaftlich orientierten Fakultäten scheint der „Prüfungsknick“ weniger deutlich auszufallen. Dies könnte u.U. mit den eingesetzten Prüfungsformaten (eher Freitextaufgaben) in Verbindung stehen, die sich leichter rechtssicher als E-Prüfungen in Distanz umsetzen lassen und obendrein Wiederholungen wenig attraktiv erscheinen lassen.

 

Notwendige Anpassungen an ein Prüfen in Distanz

Zunächst einmal erfolgte der Ausbau der notwendigen Infrastruktur, damit das LMS Moodle überhaupt flächendeckend für schriftliche digitale Prüfungen eingesetzt werden konnte. Zeitgleich mussten E-Prüfungen in Präsenz und Distanz vor dem Hintergrund landesweiter gesetzlicher Regelungen (Berliner Hochschulgesetz, BerlHG) in der Rahmen- und Studienordnung der HU (ZSP-HU) rechtlich abgesichert und damit ermöglicht werden. Hierzu zählen bspw. auch Regelungen zum Einsatz von Audio- und Videokonferenzsoftware oder zum Nachteilsausgleich. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Etablierung von E-Prüfungen in Distanz ein komplexer Prozess ist, der die gesamte Prüfungskultur an der HU Berlin beeinflusst und als "work in progress" bezeichnet werden sollte.

 

Die Einrichtung eines Prüfungssystems

Nachdem deutlich wurde, dass E-Prüfungen an der HU als dauerhafte Prüfungsoption gedacht werden, entschloss sich der CMS, ein separates Prüfungssystem, das sog. Prüfungsmoodle, einzurichten. Auf diese Weise können auch Archivierung und Sicherheit der Prüfungsdaten besser als im bisherigen "Mischsystem für Lehre und Prüfung" gewährleistet werden.

Allerdings bleiben die personellen Ressourcen für Aufbau und Pflege eines zweiten Systems sowie für die didaktische Betreuung der Prüfungen weiterhin äußerst knapp, da das Moodle-Team trotz des gewaltigen Anstiegs der Supportmaßnahmen und der damit verbundenen Aufgaben kaum zusätzliche personelle Ressourcen erhalten hat.  Zwangsweise müssen daher Abstriche bei der didaktischen Beratung und bei der Betreuung der E-Prüfungen gemacht werden, um zumindest die technische und prüfungsorganisatorische Umsetzung der E-Prüfungen sicher zu stellen.

 
Didaktisch Weiterdenken

Viele der Prüfer und Prüferinnen zeigen sich zwar engagiert bei der Umstellung auf digitale E-Prüfungen, doch benötigen sie zusätzliche Zeit und vor allem Beratung, da sich z.B. traditionelle Klausuren mit Papier und Stift i.d.R. nicht 1:1 in digitale Formate umwandeln lassen. Auch ist es im Allgemeinen schwer, sich auf neue Prüfungsformate wie schriftliche Arbeiten im Open-Book-Verfahren einzulassen, wenn diese aufgrund ihrer Anwendungsorientierung zu einem erhöhten zeitlichen Aufwand für Erstellung und Korrektur führen. Dennoch hat der vorübergehende "Zwang zur E-Prüfung in Distanz" schon dazu beigetragen, dass an der HU intensiver als zuvor über Prüfungen und die damit einhergehende Prüfungskultur nachgedacht wird.

 

Rechtssicherheit

Insbesondere die Durchführung von E-Prüfungen als Closed-Book-Verfahren hat deutlich werden lassen, dass weiterhin zentrale rechtliche Fragen nicht ausreichend rechtssicher geklärt sind. Als besonders kritisch wird der Ausgleich zwischen einem Schutz der personenbezogenen Daten einerseits (Datenschutz) und dem Schutz vor Täuschungsversuchen andererseits (Prüfungsrecht) gewertet. Die letzte Änderung des BerlHG §32,8 sieht inzwischen zumindest vor, dass dies die Universitäten selbst regeln dürfen. Ob dies auf Dauer Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.