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▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - E-Assessment

Hochschulpolitik

Um E-Assessment erfolgreich etablieren zu können, ist es wichtig, dass es nicht nur durch eine hochschulpolitische Grundsatzentscheidung für alle Organisationseinheiten bindend ist, sondern auch von allen beteiligten Interessensgruppen mitgetragen wird.

E-Education-Strategie

Die Entscheidung für E-Assessment sollte grundsätzlich an die E-Education-Strategie der Hochschule (Oberbegriff für E-Learning, E-Teaching und E-Assessment) gekoppelt werden, damit das E-Assessment nachhaltig und bereichernd in die Lehre eingebunden werden kann. Dazu ist es wichtig, dass das E-Assessment in der Wahrnehmung der beteiligten Interessensgruppen im Alltag der Hochschule zur Normalität wird, d.h. im normalen Lehrbetrieb verankert ist.

Bei der Einführung und Gestaltung von E-Assessment-Verfahren ist ein kontinuierlicher Diskurs und eine dauerhafte Mitarbeit der Akteure unabdingbar. Hierbei darf sich die Mitarbeit nicht in einer reinen Mitsprache erschöpfen, sondern muss zu einer gezielten Mithilfe werden, damit die involvierten Gruppen gemäß ihrer Funktionen und Befugnisse die Entwicklung des E-Assessments unterstützen können, z.B.:

  • Hochschulleitung: Ressourcen, Vernetzung mit anderen Hochschulen
  • Rechtsabteilung: Richtlinien zu Prüfungsverfahren, Datenschutz und Datensicherheit
  • Technikabteilung: Hard- und Software, Support
  • Fachwissenschaft: didaktisches Design der E-Assessment-Verfahren
  • Studentenschaft: kritisches Testen der E-Assessment-Verfahren

 

Auch wenn ein Hauptargument für E-Assessment sein Potential zur effizienten Durchführung von Prüfungen ist, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, z.B. durch Investitionen in die notwendige Infrastruktur und den langfristigen Betrieb des E-Assessments. Daher sollte mehr auf den didaktischen Gewinn verwiesen werden, der durch den Einsatz von interaktiven und multimedialen Technologien bei E-Prüfungen entsteht.

 

Verbreitung von E-Assessment an dt. Hochschulen

In der Studie "Digitales Prüfen und Bewerten im Hochschulbereich" des Hochschulforum Digitalisierung (2015) merken die Verfasser an, dass sich viele Hochschulen in Richtung E-Assessment auf den Weg gemacht hätten, von einem hochschulübergreifenden Konzept oder gar anerkannten Standards seien digitale Prüfungen allerdings noch weit entfernt (12). Dies sei u.a. auch darauf zurückzuführen, dass "sich traditionell hoch-regulierte Prüfungskulturen – wie in Deutschland – schwer damit tun, die geschilderten, zum Teil noch mit Mängeln und Risiken behafteten Assessmentszenarien zu adaptieren" (59). hinzu kommt, dass insbesondere summative Abschlussprüfungen mit ihrem hohen rechtlichen Verbindlichkeitsgrad u.U. zu einem deutlich höheren Organisationsaufwand führen als die klassische Prüfungsorganisation, so dass der erwartete Effizienzgewinn ausbleiben kann.

Demzufolge erscheint es wenig verwunderlich, dass E-Assessment an dt. Hochschulen bis zum Sommersemester 2020 immer noch nicht flächendeckend und fest im Normalbetrieb verankert war. Doch dann kam eine Veränderung von außen: Covid-19.

 

E-Assessment "in Zeiten der Pandemie"

In der anonymen und adaptiven Online-Umfrage "E-Prüfungen in Zeiten der Pandemie" ist das Zentrum für Informations- und Medienverarbeitung der Bergischen Universität Wuppertal (Verf.: A. M. Keller & S. Spehr) der Frage nachgegangen, welche Formen des E-Assessments während des Sommersemesters 2020 umgesetzt wurden (41 TN aus 13 Bundesländern).

Item: Allgemeine Fragen E-Prüfungen
Gab es an Ihrer Hochschule bereits vor der Corona-Krise E-Prüfungen?
Ja: 28
Nein: 13
(Wenn Ja:) Wie wurden E-Prüfungen vor der Corona-Krise an Ihrer Hochschule durchgeführt (Mehrfachantwort)?
In Präsenz an Rechnern der Hochschule: 26
In Präsenz an studentischen Geräten (BYOD): 1
Auf Distanz an studentischen Rechnern: 4
(Wenn Nein:) Hat die Corona-Krise zur Einführung von E-Prüfungen an Ihrer Hochschule geführt?
Ja: 11
Nein: 2
Wie wurden im Rahmen der Corona-Krise E-Prüfungen an Ihrer Hochschule eingeführt?
Als zentrales hochschulweites Angebot: 9,
In Eigenregie durch einzelne Lehrende/Fakultäten: 2
Welche E-Prüfungsformate wurden an Ihrer Hochschule im SoSe 2020 eingesetzt (Mehrfachantwort)? [39 TN 52 Antworten, 26 einfach, 13 doppelt]
Präsenz-E-Prüfungen: 19
Distanz-E-Prüfungen: 33

 

Item: Zu-/Abnahme Aufwand
Wie hat sich der Aufwand zur Durchführung von E-Prüfungen (Distanz und Präsenz) im SoSe 2020 entwickelt? Er ist ...
gestiegen: 36
gesunken: 2
gleich geblieben: 1

 

Item: Ursachen Mehraufwand
(5-stufige Likertskala: sehr niedrig = 1 bis sehr hoch = 5) insgesamt 36 TN, mehr als 50% bewerten folgende Punkte als Ursachen für hohen oder sehr hohen Aufwand:
Erstellung Konzepte für Distanz-E-Prüfungen: 24
Beratung & Schulung: 23
Aufbau/Betrieb zusätzlicher Infrastruktur: 20
Durchführung Präsenz-E-Prüfungen: 18

 

Item: Zusätzliche Ressourcen
Wurden Ihnen im SoSe 2020 im Bereich E-Prüfungen zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt (Mehrfachantwort)?
Nein: 14
Finanziell: 18
Personell: 10
Räumlich: 5
Sonstiges: 3

 

Item: Umsetzung Distanz-E-Prüfungen
Grundsätzlich scheinen offene Klausurformate gegenüber geschlossenen bevorzugt zu werden.
Welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wurden bei Distanz-E-Prüfungen ergriffen (Mehrfachantwort)?
Randomisierte Reihenfolge: 27
Randomisierte Pools: 21
Zeitdruck: 21
(Securebrowser und lineare Beantwortung ohne Rückkehr kaum genutzt)
Wie wurden die Studierenden bei Distanz-E-Prüfungen authentifiziert (Mehrfachantwort)?
Uni Account: 27
Studentenausweis: 14
Lichtbildausweis: 13
Persönlicher Link: 9
Gar nicht: 8
Wie wurden die Distanz-E-Prüfungen begleitet/beaufsichtigt (Mehrfachantwort)?
Videokonferenz: 21
Proctoring: 1
Gar nicht: 13

 

Item: Umsetzung Distanz-E-Prüfungen (Technik)
Kam es bei den Distanz-E-Prüfungen zu technischen Problemen während der Prüfungen?
Ja: 24
Nein: 5
Weiß nicht: 4
Häufigkeit der technischen Probleme?
Im Durchschnitt bei 6% der TN, Maximum bei 20%
Führte das Problem zu Prüfungsabbruch bzw. Nichtteilnahme?
Im Durchschnitt bei 2,1% der TN, Maximum bei 10%
Welche technischen Probleme sind bei Distanz-E-Prüfungen aufgetreten?
Netzwerkprobleme der Stud.: 23
Browser der Stud.: 14
Rechner der Stud.: 11

 

Item: Rechtliches
Wie bewerten Sie die Rechtssicherheit beim Einsatz von ... ?(5-stufige Likertskala von sehr niedrig = 1 bis sehr hoch = 5)
Distanz-E-Prüfungen:
sehr niedrig/niedrig: 11
mittel: 13
hoch/sehr hoch: 6
Präsenz-E-Prüfungen:
sehr niedrig/niedrig: 0
mittel: 2
hoch/sehr hoch: 21
Sehen Sie Distanz-E-Prüfungen, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, auch langfristig als Alternative zu Präsenz-E-Prüfungen?
Ja: 15
Ja, in bestimmten Fächern: 3
Ja, nur bestimmte Zwecke: 10
Nein: 3
Unsicher: 2