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Abb.: Matthias Tietze

Humboldt-Universität zu Berlin - Task Force Digitale Lehre

Didaktische Empfehlungen für die Online-Lehre

 

Aufbau der Empfehlungen:

  1. Vorbemerkung
  2. Voraussetzungen
  3. Grundsatzentscheidungen: Synchron vs. Asynchron
  4. Kommunikation und Zielsetzung
  5. Einstieg in die Lehre Online: Was ist anders, wie gehen Sie damit um?
  6. Inklusive Online-Lehre - Was können Lehrende tun, um barrierefreie Angebote vorzubereiten?
  7. Empfehlungen zur Netiquette

 

1. Vorbemerkung

Bitte denken Sie bei der Planung Ihrer Lehre daran, dass das Sommersemester nicht unter idealen Bedingungen stattfindet. Kleine Umfragen unter Studierenden1) verschiedener Fachbereiche in Greifswald und Dresden zeigen, dass

  • Online-Lehre für Studierende an Präsenzuniversitäten genauso neu und unvertraut ist, wie für ihre Dozent:innen
  • Viele Studierende an ihren Corona-Aufenthaltsorten über schlechte technische Ausstattung (geteilte Rechner, keine Headsets/Kameras) und schlechte/teure Internetverbindung (Handy statt Kabel) verfügen
  • Viele Studierende (wie Sie vermutlich auch) durch Kinderbetreuung/Pflege zeitlich stark eingespannt sind
  • Viele Studierende neben der Belastung durch die allgemeine Situation durch den Wegfall vieler studentischer Jobs zusätzliche finanzielle Sorgen haben

1) (Quellen dazu: A. Lasch, Germanistik/Sprachwissenschaft TU Dresden: https://t.co/qDKjPDzrCv?amp=1, C. Meißelbach & C. Bochmann, Pol.Wiss. TU Dresden: https://tu-dresden.de/gsw/phil/powi/polsys/ressourcen/dateien/forschung/umfrage-digitale-lehre/studierendenbefragung-digitale-lehre.pdf/at_download/file; K. Marx, Philologie U. Greifswald: https://twitter.com/KonstanzeMarx/status/1247410817399734273?s=20)  
 

2. Voraussetzungen:

Grundsätzlich bieten die meisten Rechner und Laptops heute werksseitig, standardmäßig die Grundausstattung zur Produktion kurzer Lehrvideos, kommentierter Vorlesungen und einfacher Podcasts. Ein Headset hilft, um die Tonqualität Ihrer Beiträge (live und aufgezeichnet) zu verbessern und Rückkopplungseffekte zu vermeiden. Für die erfolgreiche Lehre benötigen Sie eine stabile Internetverbindung und Ihren HU-Account zur Hand.

 

3. Grundsatzentscheidungen: Synchron vs. Asynchron 
 

Tabelle: Grundsatzentscheidung: Synchrone vs. Asynchrone Lehre
  Stärken Schwächen Beispiel
Synchron
  • direkter Austausch
  • Spontaneität
  • ortsunabhängig
  • scheinbar schneller
  • zeitlich begrenzt
  • datenintensiv und störungsanfälliger
  • Zugangsbeschränkung
  • Material altert schneller
  • Videokonferenz
  • Gruppenarbeit in Chats oder in Hangouts
Asynchron
  • Zeit- und ortsunabhängig
  • planbar
    nachhaltiger nutzbar
  • barrierefrei(er)
  • kein direkter Austausch
  • TN schneller isoliert/frustriert
  • größerer Arbeitsaufwand (Planung)
  • Lernvideos
  • Aufgaben
  • Quizze auf Moodle

 

Synchrones Lernen bedeutet in der digitalen Lehre, dass Studierende und Lehrende gleichzeitig in einem digitalen Raum lernen und lehren. So kann beispielsweise ein Seminar oder eine Vorlesung abgehalten werden. Asynchrones Lernen ist im Gegensatz dazu zeit- und ortsunabhängig. 

Wenn möglich, empfehlen wir den Einsatz von asynchronen Lehrmethoden oder eine Mischung beider Methoden. Nutzen Sie die verschiedenen Ansätze entsprechend ihrer Stärken (synchron für aktiven Austausch, asynchron für Vor/Nachbereitung). 

Soweit Sie können, schaffen Sie Lernsituationen, in denen Studierende in ihrem jeweils eigenen Tempo arbeiten können. Statt Ihre Vorlesung über Zoom zu streamen, können Sie diese beispielsweise aufnehmen. So ermöglichen Sie auch Lernenden mit einer schlechten Internetverbindung die Teilnahme. 

 

4. Kommunikation und Zielsetzung

Im Vergleich zu einer nicht-digitalen Lernumgebung, benötigen Lernende im Schnitt etwa zweimal länger, um Zuhause Arbeitsaufträge zu erledigen. Wenn möglich, passen Sie Ihre Lernziele und Arbeitsaufträge entsprechend an. Kurze, klar formulierte Aufgaben und realistische Lernziele motivieren und sorgen für geringere Abbruchquoten. Definieren Sie, wenn möglich, wie viel Zeit die Studierenden für eine Lektion oder ein Thema für die Bearbeitung veranschlagen sollen. Um Ihre Studierenden in den Austausch zu bringen, regen Sie die Bildung von Lerngruppen an, stellen Sie Gruppenaufgaben und nutzen Sie Peer-Feedback.


Wenn möglich, entscheiden Sie sich für ein Kommunikationstool, über das Sie alle Anweisungen und Arbeitsaufträge versenden (für die HU bietet Moodle diese Funktion). Bieten Sie digitale Sprechstunden an, in denen Sie für Studierende erreichbar sind. 

Es empfiehlt sich zur Orientierung für die Studierenden eine zeitliche Struktur für den gesamten Kurs zu schaffen. Das kann über definierte Meilensteine,  Einreichungstermine für Beiträge, Peer-Feedback-Schleifen oder  terminierte kurze synchrone Treffen etc. passieren. 
Setzen Sie auch realistische Erwartungen an sich selbst. Digitale Lehre ist ein schwieriger Prozess, der Zeit braucht, um zu funktionieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es zu technischen Problemen kommen, die für alle Teilnehmenden frustrierend sein können. Kommunizieren Sie Schwierigkeiten und Überlegungen transparent, sodass Sie gemeinsam mit den Studierenden zu einer Lösung kommen können.

 

5. Einstieg in die Lehre Online: Was ist anders, wie gehen Sie damit um? 

Der am deutlichsten spürbare Unterschied liegt im fehlenden persönlichen Kontakt und der technischen Vermittlung (oder Barriere) zwischen den Teilnehmenden. Dazu kommt für das Sommersemester 2020, dass niemand ideal auf diese Situation vorbereitet ist und das viele durch andere Verpflichtungen und berechtigte Sorgen stärker beansprucht sein werden als sonst. Unsere Empfehlung ist: Gehen Sie offen und transparent mit dieser Situation um.

  • Erlauben Sie sich und den Teilnehmenden Zeit zum Kennenlernen, in dem Sie z.B. den technischen Check-In (funktionieren die Mikros, Kameras, Headsets? Sind alle mit den Instrumenten von Zoom vertraut?) auch für einen kurzen persönlichen Check-In nutzen.
  • Bieten Sie den Teilnehmenden zu Anfang der Veranstaltung die Möglichkeit, ihre persönlichen Umstände mit Ihnen privat (E-Mail, Telefon, Videocall) zu besprechen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Teilnahmemöglichkeiten stark beschränkt sein werden.
  • Schaffen Sie klare Kommunikationskanäle (was per Mail, was telefonisch) und gehen Sie achtsam mit Ihrer eigenen Zeit (und der Ihrer Teilnehmer/innen!) um: “online” bedeutet nicht “sofort und jederzeit erreichbar”, sollte aber für alle klar und verbindlich sein. 
  • Gestalten Sie auch “synchrone” Sitzungen abwechslungsreich (nicht 90 Minuten Vortrag + 30 Minuten Diskussion) und mit klaren Zeitvorgaben, um die Teilnahme- und Austauschgelegenheiten zu stärken und  die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden zu halten (Bsp. Input 1 (15 Min.) - Fragen (5. Min) - Gruppenaufgabe (30 Min.)  - Ergebnisse (X mal 5 Min.) - Reaktion/Input2 -(15 Min.)...)
  • Schaffen Sie Möglichkeiten zur Mitwirkung: Holen Sie sich Unterstützung bei der Moderation von synchronen Sitzungen (z.B. Führen der Redner/innenliste, Dokumentation (Zusammenfassung) von Diskussionen für nicht-anwesende Teilnehmer/innen); durch Einrichtung von Arbeitsgruppen (Breakout Rooms in Zoom, Arbeitsgruppen/Foren in Moodle, privater Austausch über Messengerdienste (lieber Signal oder Telegram als WhatsApp); durch Einbindung in die Gestaltung barrierefreier Lernmaterialien (z.B. Untertitel für Videos oder Beschreibungen für Bilder/Grafiken in Präsentationen erstellen)

 

 

6. Inklusive Online-Lehre - Was können Lehrende tun, um barrierefreie Angebote vorzubereiten?

Prinzipiell bietet die Lehre mit digitalen Medien aufgrund ihrer Multimedialität die Möglichkeit, viele Barrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen zu vermindern. Digitale Medien sind aber nicht automatisch barrierefrei, sondern müssen aktiv so gestaltet werden (Auswahl der Formate/Fonts, Aktivierung der Sprachausgabe-Optionen, Beschreibungen für Bilder, Einbau assistiver Technologien in Webseiten).

Einen guten Einstieg bieten z.B. die Ressourcen zur Erstellung barrierefreier PDFs und Videos der Bundesfachstelle Barrierefreiheit: https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Praxishilfen/Informationstechnik/informationstechnik_node.html

Im Sommersemester 2020 kommt erschwerend hinzu, dass viele Studierende nicht auf die Hardware (Rechnerpools der HU) und den freien Netzzugang (EDUROAM) als Lerninfrastruktur zurückgreifen können und sich zuhause Rechner und Netzzugang (ggf. auch nur über Handy) mit anderen teilen müssen. Daher gilt für die Gestaltung ihrer Kurse auch der Grundsatz: Je niedrigschwelliger und asynchroner, desto barriereärmer. 

 

7. Empfehlung zur Netiquette

Die Umstellung auf Online-Lehre ist eine Herausforderung für alle Lehrenden und Studierenden. Gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis sind daher besonders wichtig.

Alle Teilnehmenden sollten sich bewusst sein, dass die digitale Lehrveranstaltung den gleichen Grundsätzen folgt wie eine Präsenzveranstaltung. Teilnehmende an digitalen Lehrveranstaltungen sollten beispielsweise ihren Rufnamen benutzen. Es ist auch hilfreich, gleich zu Beginn Grundregeln zur Kommunikation und dem Umgang mit den geteilten Beiträgen und Materialien zu definieren und diese regelmäßig zu wiederholen, bis sie Routine werden (z.B. durch Check-Ins mit Technik-Tests). Zum Teil bietet die Software hier technische Hilfen (z.B. erlaubt Zoom das digitale “Melden”, falls Teilnehmende sprechen wollen). Arbeiten Sie zusammen, lassen Sie sich in größeren Veranstaltungen in der Moderation von den Studierenden unterstützen (z.B. beim Führen einer Redner/innenliste im Chat, durch die aktive Ansprache der/des nächsten Redner/in...). Ziel ist es, durch klare Kommunikation (auch schon vor digitalen Lehrveranstaltungen) Missverständnisse zu vermeiden und eine für alle produktive Lernatmosphäre zu schaffen. 

 

Folgende Grundregeln können bei der Etablierung einer Netiquette hilfreich sein:
 

  1. Im digitalen Raum gelten die gleichen Kommunikationsstandards wie in der Präsenzlehre: Beiträge sollten grundsätzlich sachbezogen und respektvoll sein. Mit Wertung sollte vorsichtig umgegangen werden, Beleidigungen und das Teilen von privaten oder unangemessenen Inhalten gehören nicht in die Online Lehre. Alle Teilnehmenden sollten zudem auf angemessene Rechtschreibung und Zeichensetzung achten und mit Humor und Ironie in schriftlicher Kommunikation vorsichtig umgehen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  2. Vermeiden Sie “Nebenunterhaltungen” z.B. im Chat: Bleiben Sie bei der Sache, halten Sie Ihre Beiträge und Kommentare sachlich und auf die Diskussion bezogen. Eine vermeintlich persönliche Nebenbemerkung im privaten Chat mit einer Person landet im Eifer der digitalen Kollaboration aus Versehen schnell im Chat für alle.
  3. Achten Sie auf das Urheberrecht und die Privatsphäre: Teilen Sie nicht ungefragt Materialien anderer, zitieren Sie auch online (z.B. in Foren oder schriftlichen Beiträgen) korrekt. Verbreiten Sie nicht unerlaubt Screenshots oder Bildmaterialien anderer Teilnehmenden oder Lehrenden.
  4. Seien Sie verständnisvoll: Für viele Lehrende und Studierende ist ein digitales Semester eine Herausforderung. Fehler und Missverständisse können und werden auftreten und die relative Anonymität der digitalen Lehre kann dazu führen, dass Kritik nicht immer professionell ausgedrückt wird.  Suchen Sie das offene Gespräch in Konfliktfällen (persönlich via E-Mail, Chat oder Zoom) und zeigen Sie besonderes Verständnis für diese ungewöhnliche Situation.

 

Weitere Grundregeln für Netiquette finden Sie hier:
http://www.albion.com/netiquette/corerules.html
https://achievevirtual.org/7-rules-for-online-etiquette/